Prof. Dr. Hans Dieter Zimmermann
1940 geboren in Bad Kreuznach. Besuch des Stefan-George- Gymnasiums in Bingen am Rhein.
1959 Abitur und Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie in Mainz und Berlin (FU und TU)
1965 Journalistische Tätigkeit
1968 Promotion bei Walter Höllerer an der TU Berlin
1969 Sekretär der Abteilung Literatur der Akademie der Künste
West-Berlin
1970 Zugleich Lehrauftrag an der Universität Hannover, dort Habilitation
1975 Professor für neuere deutsche Literatur an der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a.M.; Mitglied der Poetik-Kommission der Universität
1976 Heirat mit Helena Beckova
1985 Internationales Colloquium zum Werk Robert Walsers in Rom
1986 Gastprofessur in Jerusalem, Franz-Rosenzweig-Zentrum
1987 Professor am Institut für Literaturwissenschaft der TU Berlin
1992 Konferenz über »Kafka und Prag« im Goethe-Institut Prag.
Letzte von vier Konferenzen zu Kafka und seinem Kreis
1999 Geschäftsführender Herausgeber der Tschechischen Bibliothek in deutscher Sprache in 33 Bänden.
Gastprofessur an der Universität Rom La Sapienza
2000 Orden des Tomas Garrigue Masaryk durch Präsident Vaclav Havel in Prag.
Mitglied der Jury des Kafka- Preises der Stadt Prag
Veröffentlichungen:
Die politische Rede. Zum Sprachgebrauch Bonner Politiker. Stuttgart 1969 ff. (3 Auflagen); Vom Nutzen der Literatur. Vorbereitende Bemerkungen zur literarischen Kommunikation. Frankfurt a.M. 1977 und 1979; Trivialliteratur? Schema-Literatur! Stuttgart 1979; Der babylonische Dolmetscher. Zu Franz Kafka und Robert Walser. Frankfurt a.M. 1985; Heinrich von Kleist. Eine Biographie. Reinbek 1992; Der Wahnsinn des Jahrhunderts. Die Verantwortung der Schriftsteller in der Politik. Stuttgart 1992; Literaturbetrieb Ost/West. Die Spaltung der deutschen Literatur von 1948 bis 1998. Stuttgart 2000.
Herausgeber bzw. Mitherausgeber: Poetik. Essays zur Frankfurter Poetik-Dozentur. Frankfurt a.M. 1988; Kafka und das Judentum. Frankfurt a.M. 1987; Berlin und der Prager Kreis. Würzburg 1991; Nach erneuter Lektüre. Kafkas Der Proceß. Würzburg 1992; Kafka a Praha. Berlin 1994; Rilke – ein europäischer Dichter aus Prag. Würzburg 1998; Mythen und Stereotypen auf beiden Seiten der Oder. Berlin 2000;
Zahlreiche Aufsätze zur Literatur der klassischen Moderne und der Gruppe 47 in Zeitschriften und Sammelbänden.
Adresse: c/o Technische Universität Berlin · Institut für Literaturwissenschaft
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Das Zitat:
Am Vormittag des 20. November 1811 fuhren Heinrich von Kleist und Henriette Vogel, die Frau des Rendanten Louis Vogel, mit einer Lohnkutsche von Berlin in Richtung Potsdam. Sie hielten gegen zwei Uhr auf halbem Wege an Stimmings Gasthaus, das damals an der Brücke lag, die auch heute noch den schmalen Zufluss vom Kleinen Wannsee zum Großen Wannsee überquert, ließen sich zwei Zimmer im oberen Stockwerk geben, tranken Kaffee und unternahmen danach einen Spaziergang über die Brücke zu der Stelle am Kleinen Wannsee, an der sie sich am nächsten Tage erschossen. Nach etwa einer Stunde kamen sie zurück, entlohnten den Kutscher, der nach Berlin zurückfuhr, und begaben sich auf ihre Zimmer, wo sie das Abendbrot einnahmen. Sie fragten nach vier Lichtern und Schreibzeug und waren offensichtlich die Nacht über wach, denn sowohl der Hauswirt als auch die anderen Hausgenossen hörten sie noch spät in ihren Zimmern umhergehen, wie sie zwei Tage darauf dem untersuchenden Richter Felgentreu zu Protokoll gaben. Gegen vier Uhr früh bestellte Henriette Vogel Kaffee. Die Dame, so das Dienstmädchen später zum Richter, sei noch in derselben Kleidung gewesen wie am Vortag; erst um sieben Uhr, als sie ihr das zweite Mal Kaffee auftrug, habe die Dame sich umgezogen und sie, das Dienstmädchen, gebeten, ihr dabei zur Hand zu gehen. Der Drücker an der Tür zum Zimmer des Herrn sei herausgezogen gewesen; als der Herr anklopfte, habe die Dame geäußert, dass sie sich seinetwegen geniere.
(Aus: »Heinrich von Kleist. Eine Biographie«. Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1991)